Bahnstadt: Straßen tragen die Namen von Wissenschaftlerinnen

Gemeinderat beschloss die Benennung weiterer Straßen und Plätze im neuen Stadtteil.

Olympia Fulvia Morata, (1526–1555), Maria Gaetana Agnesi (1718–1799), Marie Baum (1874–1964) und Marga Faulstich (1915–1998) sind die Namensgeberinnen neu benannter Straßen und Plätze in der Bahnstadt. Der bisher schon inoffiziell so genannte „Gadamerplatz“ heißt jetzt offiziell so, die künftige Straße an der Südseite des Hauptbahnhofs wird „Max-Planck-Ring“ heißen. Der am denkmalgeschützten ehemaligen Bahnbetriebswerk vorbeilaufende Weg erhält den Namen „Am Bahnbetriebswerk“. Über die Straßen- und Platzbenennung beschloss der Heidelberger Gemeinderat am 5. Juni 2014; die ersten Bahnstadt-Straßen und Plätze hatte der Gemeinderat im Dezember 2010 benannt.

Die jetzige Benennung weiterer Straßen und Plätze in der Bahnstadt ist durch den raschen Baufortschritt erforderlich geworden. Als Namensgeberinnen und Namensgeber wurden Personen gewählt, die auf wissenschaftlichem Gebiet Herausragendes geleistet haben. Dass bei dieser zweiten Runde der Straßenbenennung überwiegend Wissenschaftlerinnen Pate standen, entspricht dem Wunsch des Gemeinderates, auf eine gleichgewichtige Verteilung von Frauen- und Männernamen zu achten.

Zu den neuen Straßen- und Platznamen im Einzelnen

Die Nummern beziehen sich auf die Karte zur Straßen- und Platzbenennung in der Bahnstadt (1,288 MB)

Morataplatz (35)
Olympia Fulvia Morata (geboren 1526 in Ferrara, gestorben 1555 in Heidelberg) war eine italienische Dichterin und humanistische Gelehrte. Anfang des Jahres 1550 heiratete Morata den aus Schweinfurt stammenden Arzt Andreas Grundler, der zum Kreis der Humanisten am Hofe von Ferrara gehörte. Nach der Eroberung Schweinfurts durch Bamberger und Würzburger Truppen im Juni 1554 floh die Familie zu den Grafen von Erbach im Odenwald. Dort erhielt Grundler einen Ruf auf einen medizinischen Lehrstuhl an die Universität Heidelberg, wo Morata Privatunterricht in Griechisch erteilte. Einen Lehrauftrag an der Universität konnte sie wohl nicht mehr wahrnehmen, sie starb 1555 an Tuberkulose. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof der Heidelberger Peterskirche, wobei eine Ehrentafel in der südlichen Seitenkapelle der Kirche an sie erinnert.

Gadamerplatz (41)
Hans-Georg Gadamer (geboren 1900 in Marburg, gestorben 2002 in Heidelberg) war einer der prominentesten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Gadamer war ein Schüler Martin Heideggers und gilt als Begründer der universellen Hermeneutik. Im Jahr 1960 erschien „Wahrheit und Methode“, ein für die philosophische Hermeneutik grundlegendes Werk. 1949 folgte er einer Berufung an die Universität Heidelberg als Nachfolger von Karl Jaspers. Hans-Georg Gadamer, dem 1993 die Bürgermedaille der Stadt Heidelberg verliehen wurde, lebte bis zu seinem Tod im Stadtteil Ziegelhausen und fand auf dem dortigen Friedhof seine letzte Ruhestätte.

Marie-Baum-Straße (9)
Marie Baum (geboren 1874 in Danzig, gestorben 1964 in Heidelberg) war promovierte Chemikerin, die sich bald nach ihrem Studium sozialen Fragen zuwandte. Durch ihr Wirken als Sozialpolitikerin in der Weimarer Republik gilt sie heute als Wegbereiterin der sozialen Arbeit. Im Jahr 1928 erhielt Marie Baum einen Lehrauftrag für soziale Fürsorge und Wohlfahrtspflege am Institut für Sozial- und Staatswissenschaften an der Universität Heidelberg. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 musste sie ihre Lehraufträge und Ämter aufgeben, da ihre Großmutter Jüdin war. Ab 1946 übernahm die inzwischen 70-Jährige erneut einen Lehrauftrag an der Universität Heidelberg. Das Grab von Marie Baum befindet sich auf dem Heidelberger Bergfriedhof. Seit dem Jahre 1974 trägt eine hauswirtschaftliche Berufsschule in Heidelberg ihren Namen.

Agnesistraße (32)
Maria Gaetana Agnesi (geboren 1718 in Mailand, gestorben 1799 in Mailand) war eine italienische Mathematikerin. Agnesis Ruhm als Mathematikerin basiert vor allem auf ihrem 1748 veröffentlichten Lehrbuch „Analytische Gesetze“. Dabei handelt es sich um eine umfassende und prägnante Synthese der neuen Mathematik nach Leibniz und Newton.

Marga-Faulstich-Straße (36)
Die Glaschemikerin Marga Faulstich (geboren 1915 in Weimar, gestorben 1998 in Mainz) gehörte zu den ersten weiblichen Führungskräften der Wirtschaft. Insgesamt war sie vierundvierzig Jahre für die Schott-Glaswerke tätig und erarbeitete über 300 Typen optischer Gläser. An die vierzig Patente tragen ihren Namen. Die Erfindung des hochbrechenden Leichtgewichts-Brillenglases SF 64 wurde in den USA als eine der hundert bedeutendsten neuen technischen Neuerungen des Jahres 1973 gewürdigt.

Max-Planck-Ring (27–29)
Max Planck (geboren 1858 in Kiel, gestorben 1947 in Göttingen) war ein bedeutender deutscher Physiker auf dem Gebiet der theoretischen Physik. Er gilt als Begründer der Quantenphysik. Für die Entdeckung des Planck‘schen Wirkungsquantums erhielt er den Nobelpreis für Physik des Jahres 1918, der ihm 1919 verliehen wurde.

Da-Vinci-Straße (30)
Bereits mit Beschluss vom Dezember 2010 wurde die Straße Nummer 25 nach Leonardo da Vinci benannt. Deshalb bot sich an, der Verlängerung der bestehenden Da-Vinci-Straße (30) bis hin zur künftigen Rad- und Fußwegebrücke über das Bahngelände diesen Namen zu geben, so dass eine durchgehende Nord-Süd-Verbindung mit demselben Namen entsteht.

Am Bahnbetriebswerk (40)
Die Namensgebung weist auf das unter Denkmalschutz stehende gleichnamige Bauwerk und die jahrzehntelange frühere Nutzung des Areals für den Bahnbetrieb hin.

Eppelheimer Straße (31, 33, 34, 37 und 39)
Nördlich der Eppelheimer Straße und westlich der Czerny-Brücke sind die Baublöcke überwiegend für gewerbliche Nutzung mit großflächigen Grundstücken, die oftmals bis zum Bahngelände reichen, vorgesehen, weshalb die dort bereits neu gebauten Gebäude bezüglich der Hausnummerierung (Adresse) der Eppelheimer Straße zugeordnet wurden. Die abgehenden neuen Stichstraßen mit den Nummern 31, 33, 34 und 37 werden deshalb in den Benennungsbereich der Eppelheimer Straße einbezogen und erhalten den Namen „Eppelheimer Straße“. Da die neue Straße mit der Nummer 39 quasi als Verbindungsstück zwischen den beiden Ästen der Eppelheimer Straße dient, wird sie Bestandteil der Eppelheimer Straße.

Südlicher Bahnhofsvorplatz (26)
Der neu entstehende südliche Bahnhofsvorplatz (26) zwischen Czernyring und Max-Planck-Ring soll erst zu einem späteren Zeitpunkt einen Namen erhalten.

- Pressemitteilung der Stadt Heidelberg vom 06.06.2014 -

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