#AnEurerSeite: Angela Merkel im Bürgerdialog mit Polizeibeamten

30.11.2020

Sie werden mit Steinen beworfen, manchmal sogar mit Feuerwerk beschossen. Sie werden angepöbelt und bespuckt. Polizisten werden beschimpft und bedrängt. Corona-Leugner begegnen ihnen ohne Maske, dafür mit viel Lautstärke. Polizistinnen erhalten Drohungen. Die Angriffe richten sich bis ins Private, folgen auf Facebook & Co. Kann Polizeiarbeit unter diesen Voraussetzungen noch ein Traumberuf sein? Wie hat Polizeiarbeit sich verändert? Darüber sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bürgerdialog mit Polizistinnen und Polizisten: „Wie verändert Corona unseren Alltag?“

„Ich möchte gerne den Dialog suchen“, bekräftigt Angela Merkel. „Ich beobachte, was die Polizei zu leisten hat.“ Das sei oft „Dienst unter erschwerten Bedingungen“. Während Corona müssten Polizisten viel aushalten. Das sei oft anstrengend und frustrierend. Polizisten „gehören zu einer Gruppe, deren Dienst besonders wichtig ist, um Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten.“ Gleichzeitig seien sie besonders gefordert.

Was können wir tun, um den Dienst zu erleichtern? Einige Beispiele:

Norddeutschland

„Wie strukturieren wir uns neu? Wie bleiben wir handlungsfähig? Wie gehen wir um mit Kollegen?“ Es gebe keine Erfahrung mit Polizeiarbeit in Pandemiezeiten, erklärt eine Teilnehmerin aus Norddeutschland. Schwerpunkte der Monate bisher sein „Kontrollen, Kontrollen“. Immer wieder hielten sich Menschen nicht an Regeln, „Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker, Maskenverweigerer“. Wie kann man sinnvoll arbeiten? Wie bekommt man Dienste organisiert? „Jedes Mal wieder schwierig sind Menschen, die nicht einsichtig sind, die Maskenverweigerer sind.“ Hier müssen Polizeibeamte „in Kontakt treten“. Das werde mitunter „körperlich“, die „Sorge, sich selbst zu infizieren, ist ständiger Begleiter“, auch wenn viele Menschen die Maske einfach nur vergessen hatten.

Wunsch: Appelle reichen oft nicht, so die Beamte. „Wir brauchen rechtssicheren Handlungsraum.“ Dazu zählte das Recht, bei ersichtlichem Tatverdacht ein Grundstück zu betreten. Auch, wenn es sich „nur“ um Maßnahmen zur Einhaltung der Corona-Regeln handelt.

Berlin

„Zu attestieren ist eine Zunahme der Gewaltbereitschaft“, stellt ein Teilnehmer aus Berlin fest. Während viele Demonstranten einfach ihre Sorgen „ganz vernünftig vorbringen“, gebe es andere, die nicht diskutieren wollen oder „ganz gezielt die Gewalt suchen“. Der Zusammenhalt der Einsatzkräfte hilft bei Täterfestnahmen und gezielter Strafverfolgung. Teambildung und Teamgefüge sind entscheidend. Man könne sich „blind aufeinander verlassen“. Nur so sei es möglich, immer wieder in Gefahrensituationen zu gehen.

Wunsch: Für den Berliner ist vor allem wichtig, Vorgaben muss die Politik so eindeutig machen, dass alle sich an die Regeln halten können.

Göttingen

Eine junge Kollegin aus Göttingen beschreibt, dass Quarantäne oft nicht eingehalten wird. Aus einem Wohnkomplex wurden Polizisten „beworfen mit Eisenstangen, mit brennenden Gegenständen, mit Glasflaschen“. Die linke Szene habe diese Gewalt beklatscht und befeuert. Sie selbst habe einen gebrochenen Finger davongetragen. Bei einem solchen Einsatz stehe „man selbst unter Adrenalin“.

Wunsch: Mehr Personal bei den Einsätzen, ein besseres Verhältnis im Vergleich zu den „Angreifern“. Die Polizei wünscht sich auch mehr Testmöglichkeiten zu Corona. Denn Abstand sei oft nicht zu halten, persönliche Angriffe zielten auch auf die Masken der Beamten.

München

Es habe „sehr viel Arbeit mit Partys im öffentlichen Raum“ gegeben, teilt ein Beamter aus München mit. „Es war eine Wahsinnsherausforderung“. Immer wieder gab es Widerstand, immer wieder wurden Beamte verletzt. An Hotspots und mit Alkohol wurde es oft schwierig. Mit kälterer Witterung sei es in der Öffentlichkeit besser, aber Partys finden zunehmend wieder in Kellern oder Wohnungen statt.

Wunsch: „Viel Rückendeckung, viel Unterstützung – auch, was die Diskussion in den Medien betrifft“, wünscht sich der Münchner Beamte. Oft verfolgten mehrere Kamerateams die Polizei beim Einsatz. Fehler passieren, man müsse sich kritisch hinterfragen, aber man brauche auch Rückendeckung.

Eine Zusammenfassung dieser und weiterer Erfahrungen, Anregungen und Wünsche der Polizisten können Sie demnächst nachlesen unter https://www.bundeskanzlerin.de. Hier finden Sie auch Berichte zum Bürgerdialog über den Corona-Alltag mit Pflegekräften oder zum Dialog mit Auszubildenden.

Gelesen 372 mal Letzte Änderung am 08.12.2020

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